bookmark_borderKlimaflucht und die Suche nach Technologien zur Lösung des Problems

Dieser Februar war für alle Raumfahrt-Enthusiasten ziemlich aufregend, denn gleich drei Weltraummissionen erreichten den Mars: Hope (Emirates Mars Mission) und Tianwen-1 (China’s Mars Mission) traten in den Marsorbit ein, um die Marsatmosphäre zu untersuchen. Und letzte Woche landete der NASA-Rover ‚Perseverance‘ auf seiner ‚Mars 2020‘-Mission auf dem Mars, um nach Anzeichen für uraltes mikrobielles Leben zu suchen oder sogar Proben zur Erde zurückzubringen.

Dass sind ziemlich aufregende Zeiten, wenn man bedenkt, dass das Interesse und die Investitionen in Weltraummissionen nach dem Kalten Krieg deutlich zurückgegangen sind und dass wir es bis heute nicht geschafft haben (oder nicht wollten?), eine Präsenz im Weltraum neben der ISS zu etablieren; ganz zu schweigen davon, dass wir im letzten Jahrzehnt ein Monddorf gebaut hätten. Es ist also großartig zu sehen, wie dieses Interesse durch die laufenden Mars-Missionen wiederbelebt wird, ebenso wie durch die SpaceX-Pläne, mit der Kolonialisierung des Mars bis Mitte dieses Jahrzehnts zu beginnen.

Zur gleichen Zeit veröffentlichte die Klimabewegung Fridays for Future (FFF) letzte Woche eine satirische Tourismusanzeige, die den Mars als perfektes Reiseziel anpreist: kein Krieg, keine Verschmutzung und keine Pandemien. Ein unbefleckter Planet und eine neue Welt. Also, wer würde da nicht hinwollen? Man muss sich nur daran gewöhnen, in einer Raumstation zu leben.

Natürlich das ist purer Blödsinn. Und das war der ganze Sinn der Anzeige. Wie FFF gegenüber Euronews ausführte, werden 99 % der Menschheit niemals die Chance haben, zum Mars zu reisen. Aus Sicht der Aktivisten würden die Regierungen daher das Geld besser für die Bekämpfung der Klimakrise verwenden, anstatt Milliarden von Dollar für die Erforschung des Weltraums auszugeben.

Und genau an dieser Stelle schafft die Anzeige nicht ihre Botschaft rüber zu bringen: Die Idee zu promoten, zum Mars zu reisen, ist wahrscheinlich nicht der effektivste Weg, um das Bewusstsein für die Klimakrise zu schärfen. Zu viel Eskapismus, zu wenig Fokus darauf, wie das eigentliche Problem angegangen werden kann.

Außerdem geht es am Thema vorbei, denn astrobiologische Forschung ist weder Eskapismus, noch ist Einschränkung der Weltraumforschung ein guter Ansatzpunkt, um zusätzliche Kräfte für den Klimaschutz zu mobilisieren. (Wie bereits aufgezeigt wurde, hat die US-Regierung im Jahr 2019 etwa 700 Milliarden Dollar für die Verteidigung, aber nur 21,5 Milliarden Dollar für die Wissenschafts- und Erkundungsprogramme der NASA bereitgestellt. Die FFF-Kritik scheint an dieser Stelle fehl am Platz*.)

Ich glaube nicht, dass die Überlegung, entweder wir retten die Erde oder wir reisen zum Mars, uns sehr weit bringen wird. Die Erforschung des Weltraums hat das Potenzial, das Interesse der Allgemeinheit an Wissenschaft und Technologie zu wecken. Sie wird zu Fortschritten führen, Technologie und Gesellschaft vorantreiben und sogar eine technologische Lösung zur Reduzierung oder besseren Erfassung von Emissionen fördern.

Das lässt sich an den Fortschritten im letzten Jahrhundert ablesen. Der Kalte Krieg und insbesondere die Sputnik-Krise führten zu einem massiven Anstieg von Weltraumverteidigungsprojekten und -innovationen, einer stärkeren Fokussierung auf MINT-Bildung und schließlich zu massiven Investitionen in die Chipindustrie die das Silicon Valley hervorbrachten.

Die Suche nach Technik

Heute beschäftigen sich immer mehr Menschen mit der Klimakrise. Doch das Sputnik-Ereignis fehlt.

Trotz aller Bemühungen von Greta und FFF, die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt aktivierten, haben die politisch Verantwortlichen bisher versäumt, global adäquate Maßnahmen zu ergreifen. Die letzte UN-Klimakonferenz, COP25, war ein Beispiel dafür. Und während die Daten über den fortschreitenden Klimawandel absolut klar sind, ist es absolut unklar, wie man diesen Wandel angesichts der aktuellen Politik und des Stands der Technik verhindern kann.

Wo ist das Sputnik-Ereignis, das zu massiven Anstrengungen beim Pflanzen von Bäumen und der Rekultivierung von Böden, zu höheren CO2-Abgaben und zu einer strengeren Regulierung (oder gar einem Verbot!) von CO2-emittierenden Aktivitäten führt?

Eine sofortige Reduzierung der Emissionen ist immer noch die beste Möglichkeit, die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu mildern, und es gibt viele Dinge, die man auf individueller Ebene tun kann. Das Wirksamste davon ist persönlicher Aktivismus, um die Entscheidungsträger zum Klimaschutz zu bewegen. Oder eben sich für Moonshot-Projekte einzusetzen.

Im Sinne von ‚Doing Good Better‚ ist eine ziemlich gute Option, einen Weg mit hohem Risiko und hohem Ergebnispotenzial zu verfolgen: Ein (soziales) Unternehmen wie Ecosia gründen. Eine gemeinnützige Organisation wie ClimateScience gründen. Oder Technologien z.B. für Carbon Capturing zu entwickeln. Diese Wege sind vielleicht nicht für jeden geeignet, und sie bergen das Risiko des Scheiterns. Aber potenziell können sie eine große (d.h. skalierbare) Wirkung haben.

Die aktuelle Situation mit dem technologischen Fortschritt ähnelt der Neolithischen Revolution.

Wie Yuval Noah Harari in seinem Buch Sapiens sehr schön aufzeigt, war Landwirtschaft eine Falle. Bauern arbeiteten länger und hatten schlechtere Lebensbedingungen als Jäger und Sammler. Aber da die Bevölkerung explodierte, gab es keinen Weg zurück, da Jagen und Sammeln eine so große Bevölkerung nicht ernähren konnte. Und tatsächlich erwies sich dies auf lange Sicht als viel besser als das Leben der Jäger und Sammler: Ohne die Landwirtschaft wären wir nicht auf unseren heutigen Lebensstandard gekommen.

Gleichermaßen gibt es keine Möglichkeit, zu einer Gesellschaft ohne Technologie zurückzukehren. Im letzten Jahrhundert haben Technologien den Lebensstandard weltweit erhöht, aber auch Umweltverschmutzung und globale Erwärmung verursacht. Angesichts der Trägheit der Politik, der mangelnden Bereitschaft der Menschen in den „entwickelten Ländern“, ihren Lebensstandard einzuschränken, und des aktuellen Stands der Klimakrise bleibt die Weiterentwicklung von Technologien entscheidend. Auch wenn die Illusion einer einfachen technischen Lösung zur Behebung der Klimakrise die Politiker davon abhalten könnte, effektive Maßnahmen zu ergreifen.

Kürzlich hat Elon Musk angekündigt, 100 Milliarden Dollar für einen Wettbewerb um die effektivste Technologie zur CO2-Abscheidung zu spenden. Bäume und andere Pflanzen tun dies bereits, aber kann es technologisch effizienter gemacht werden? Wahrscheinlich schon. Mal sehen, welche Lösungen der Wettbewerb hervorbringen wird.

Klima-Eskapismus

Während der australischen Buschfeuersaison 2020 brannten große Landflächen, und viele Menschen mussten umziehen, die dann als erste Klimaflüchtlinge galten. Das ist ziemlich ironisch, denn Australien ist auch eines dieser „entwickelten Länder“ mit hohen CO2-Emission, insbesondere durch die Kohleindustrie.

Angesichts der FFF-Mars-Tourismus-Werbung kommt eine andere Form der Flucht zur Diskussion: Eskapismus. Angesichts der Ambitionen von SpaceX und anderen wird interplanetare Raumfahrt in diesem oder im kommenden Jahrzehnt machbar werden, was einige praktische und ethische Fragen aufwirft: Sollten „die Reichen“ im Falle einer globalen Katastrophe auf der Erde zu einer Raumstation oder gar zum Mars fliehen dürfen?

Es erinnert mich an die Sci-Fi-Trilogie ‚Trisolaris‚ von Cixin Liu, in der sich die Menschheit einer bevorstehenden Invasion einer überlegenen außerirdischen Spezies, den Trisolaranern, gegenüber sieht. Als sich durch Spuren im intergalaktischen Medium dir Evidenz manifestiert, dass eine Flotte von Trisolaranern auf dem Weg zur Erde ist, ist dies der Sputnik-Moment, der weltweit Krisen und Depressionen auslöst.

Aber dann schaltet die Menschheit in den Hyperdrive: Neue Erfindungen und massive Investitionen führen zum Bau von Weltraumaufzügen und Raumschiffen. Regierungen auf der ganzen Welt schließen sich zusammen und konzipieren das „Wallfacer-Projekt“ als globale Verteidigungsstrategie. Und ein globales Verbot der Flucht von der Erde wird verhängt. Da ist sie wieder, die Diskussion über Eskapismus.

Was würdest Du heute tun, wenn Du wüsstest, dass eine Flotte trisolarischer Schlachtschiffe auf der Erde eintreffen würde – in 300 Jahren. Du selbst würdest niemals auf Trisolaraner treffen. Auch Deine Kinder würden das nicht. Aber Du würdest mit Sicherheit wissen, dass sie irgendwann ankommen und die Erde zerstören werden. (Oder zumindest die Menschheit versklaven.)

Die Klimakrise ist insofern ähnlich, als dass es nicht wirklich eine Rolle spielt, ob ein großer Teil der Menschheit in 300 Jahren durch Aliens oder Naturkatastrophen ausgelöscht wird. Aber anders als im Fall der Alien-Invasion haben verschiedene Länder unterschiedliche Interessen bezüglich der Klimakrise. Nicht nur die ölproduzierenden Länder. Einige Länder wie Russland könnten sogar gastfreundlicher und weniger frostig werden und von ein paar Grad mehr profitieren.

Die Auswirkungen des sich ändernden Weltklimas sind schleichend, aber es ist nicht klar, welche Katastrophe als nächstes eintritt. Das Sputnik-Ereignis steht noch bevor.

TL;DR

Wir sollten die Klimakrise mit der gleichen Ernsthaftigkeit behandeln wie eine bevorstehende Alien-Invasion. Wir müssen uns darauf vorbereiten, und anstatt die Erforschung des Weltraums als „Eskapismus“ abzutun, sollten Wissenschaftler und Aktivisten bei diesem Thema eng zusammenarbeiten.

*Disclaimer: Die Klimakrise ist ein echtes Problem, und die FFF-Bewegung leistet insgesamt wichtige Arbeit, um Menschen auf dieses Thema aufmerksam zu machen, was ich absolut unterstütze. Ich hatte nur den Eindruck, dass dieser spezielle Clip kein besonders guter PR-Schachzug war.

bookmark_borderWarum Vertrauen in gemeinnützige Organisationen wichtig ist

Schon vor einem Jahr veröffentlichte die Zeitung „Die Zeit“ einen kritischen Bericht darüber, wie viele Bäume die gemeinnützige Organisation Plant-for-the-Planet (PftP) tatsächlich pflanzt. Nachdem sie – nach eigenen Angaben – ein Jahr lang recherchiert und die Zahlen genau geprüft hat, werden die Anschuldigungen in dem Artikel von letzter Woche nun konkreter: die Zahlen, die PftP für die gepflanzten Bäume angibt, seien unrealistisch hoch. Auch hätten die Bäume bestimmt keine Überlebenschance von 94 % und überhaupt: auf der Halbinsel Yucatan, wo PftP aktiv ist, stehen doch schon genug Bäume.

Wenig später antwortete Felix Finkbeiner, Gründer und Sprecher des Vorstandes von PftP, auf die Anschuldigungen mit einem Blogartikel. Das Muster ist in beiden Artikeln das Gleiche: erst das Gegenüber diskreditieren, dann beispielhaft Daten zusammentragen, um die eigene Position zu stärken, und schließlich die eigene Community ansprechen. Die Artikel sind klar polarisierend und nicht objektiv geschrieben. Die Zeit lässt kein gutes Wort an PftP, dabei kann diese Organisation doch nicht nur alles schlechtmachen. PftP verteidigt sich, was aber deutlich zu kurz kommt, ist eine Stellungnahme wie die Zahlen von unabhängiger Seite in Zukunft geprüft werden. Das ist auch eine Forderung des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Witten/Herdecke.

Mir geht es hier gar nicht darum die Arbeit von Plant-for-the-Planet zu bewerten. Bestimmt pflanzt PftP auch Bäume in Mexiko (ich war leider noch nicht dort), gleichzeitig stellen sie mit einer App die Infrastruktur bereit, um Spenden für hunderte Baumpflanzprojekte weltweit einzusammeln und alleine schon, dass sie Aufmerksamkeit auf die Klimakrise lenken, ist lobenswert. Aber es ist wichtig, dass sie nicht nur Maßnahmen umsetzen, sondern dies auch so effektiv und transparent wie möglich machen und unabhängig prüfen lassen, um Vertrauen aufzubauen und maximalen Impact haben zu können.

Anderes Beispiel: Bio-Lebensmittel

Das Bio-Segment ist eines der wenigen Segmente im Supermarkt, das aktuell wächst, und zwar konstant. Supermärkte haben erkannt, dass Kunden bereit sind für Bio-Lebensmittel mehr zu bezahlen. Vielleicht weil sie gesünder sind, oder fairer produziert, oder etwas Gutes für die Umwelt tun, oder was auch immer man sich für einen Effekt davon erhofft.

Wenn Supermärkte aber Bio-Lebensmittel bewusst teurer anbieten, weil sich damit zusätzliches Geld verdienen lässt, dann ist das zwar aus wirtschaftlicher Sicht komplett nachvollziehbar, aber auch hier wird Vertrauen gebrochen. Und es führt bei den Kunden zu einer Einstellung à la „ist mir doch egal was ich kaufe, die wollen doch sowieso nur Geld verdienen“.

Und das ist ein riesengroßes Problem, weil die ganze Idee der Marktwirtschaft darauf beruht, dass die Kunden wissen was am besten ist und sie mit ihren Kaufentscheidungen das Angebot steuern. Keiner würde Produkte produzieren, wenn es dafür keine Nachfrage gäbe. Aber damit Kunden die Produkte kaufen, von denen sie denken, dass sie „besser“ sind, braucht es Vertrauen. Und genauso braucht es Vertrauen, damit Menschen an die gemeinnützigen Organisationen spenden, von denen sie denken, dass sie effektiv sind.

Transparenz & Vertrauen

Die Klimakrise ist ein unglaublich hartes Problem und viele Menschen und gemeinnützige Organisationen arbeiten Tag und Nacht daran dieses Problem zu lösen. Um wirklich einen Unterschied zu machen und nicht bloß Geld in Anspruch zu nehmen, was andere gemeinnützige Organisationen hätten verwenden können, sollte eine gemeinnützige Organisation so effektiv wie möglich sein (im Sinne der „Effective Altruism“ Bewegung). Und vor allem auch zeigen, dass sie transparent und vertrauenswürdig ihr Problem löst.

Es ist weitaus effektiver Spenden zu bündeln und in gemeinnützigen Organisationen einzusetzen, um Probleme zu lösen, als wenn jeder Mensch sein / ihr eigenes kleines Projekt verfolgt. Aber dafür muss Vertrauen bestehen, dass die gemeinnützige Organisation das Problem auch wirklich löst.

Das wichtigste Angebot einer gemeinnützigen Organisation ist daher nicht die Lösung des Problems, sondern Vertrauen und Transparenz, dass dieses Problem auch wirklich gelöst wird.

Unsere eigenen Erfahrungen

Vor einem Jahr habe ich einen kleinen Verlag gegründet: Visual Ink Publishing. Wir verlegen Bücher im Bereich Bildung und das komplett Open-Source unter einer Creative Commons Lizenz – sowohl gedruckt als auch digital. Das heißt, dass wir eine besondere Verantwortung haben, nicht nur gesellschaftlichen Impact im Bereich Bildung, Open-Source & freier Zugang zu Wissen zu erreichen, sondern auch für Druck und Lieferung der Bücher. Um Bücher zu drucken werden Bäume gefällt und zu Papier verarbeitet, was viel Energie und Wasser verbraucht. Und schließlich werden die Bücher zu den Leser:innen transportiert, was zusätzliche Emissionen verursacht. Der Verlage haben hier eine wichtige Verantwortung für die gedruckten Bücher.

Als junger Verlag und als ersten Schritt haben wir über das Start-up Review Forest, von welchem wir durch den Startup Insider Newsletter erfahren haben, auch Plant-for-the-Planet unterstützt und damit schon die ersten Bäume gepflanzt. Zumindest auf dem Papier. Aber das kann nur ein allererster Schritt sein, und auch wir werden in Zukunft noch genauer evaluieren, welche Organisationen wirklich effektiv sind und ob man neben dem Pflanzen von Bäumen nicht auch z.B. beim Erhalt von Mooren, Sanierung von Böden oder auch im Bereich Umweltbildung mehr machen und erreichen kann.

Fazit

Die wichtigste Aufgabe einer gemeinnützigen Organisation ist, neben der Lösung ihres selbst gewählten Problems, Vertrauen herzustellen, dass dieses Problem auch wirklich gelöst wird.

Und wer wirklich Impact haben möchte, sollte nicht darauf vertrauen, dass Fair Trade, Bio und Marketing-starke Baumpflanzaktionen den Tag bzw. die Welt retten. Sondern selbst gezielt recherchieren, welche Projekte wirklich effektiv sind, bzw. im Sinne von „Doing Good Better“ am effektivsten, und dann bewusst entscheiden, wie er / sie sein Geld spendet, damit wirklich Impact geschieht.

bookmark_borderDie Option auf Leben

Wir beginnen am Anfang von Cixin Liu’s Roman „Death’s End„, als sich die theoretische Physikerin Yang Dong im Kontrollraum eines Rechenzentrums befindet. Früher wurde der Supercomputer zur Modellierung von Teilchenkollisionen verwendet. Doch seitdem die Sophon-Blockade von den außerirdischen Trisolariern verhängt wurde, sind die Fortschritte in der Fundamentalphysik zum erliegen gekommen, und stattdessen wird die Anlage nun genutzt, um die Entwicklung des Planeten Erde zu simulieren.

Yang Dong ist im Begriff zu gehen, als ihr plötzlich ein Gedanke in den Sinn kommt. Sie wendet sich dem Betreiber der Anlage zu und fragt ihn aus heiterem Himmel: „Glauben Sie an Gott?“

Der Anlagenbetreiber blickt von einer Vielzahl von Monitoren auf und mustert sie durch seine grüne Brille. „Ich nicht.“, sagt Grüne Brille, ein unerschrockener Wissenschaftler, und wendet sich wieder den Monitoren zu.

„Aber wenn die physikalischen Parameter des Urknalls nur geringfügig anders gewesen wären, gäbe es zum Beispiel keine schweren Elemente und damit auch kein Leben. Wie können Sie glauben, dass sie nicht in irgendeiner Weise fein abgestimmt wurden?“, beharrt Yang Dong.

Der Betreiber blickt sie erneut an und schüttelt den Kopf.

„Zum Urknall kann ich nichts sagen …“, und dreht sich wieder zu seinem Bildschirm, „… aber sehen wir mal, wie sich die Erde ohne Leben entwickelt hätte.“

Der Supercomputer führt schnell eine grobkörnige Simulation durch und zum Vorschein kommt ein orangefarbener Planeten mit endlosen Wüsten und einsamen Gebirgsketten, übersät von Einschlagskratern. Wo nur sind all die Ozeane, all die Flüsse und all das Grundwasser geblieben?

Die Simulation zeigt, dass die Erde ohne Leben massiv anders wäre: Berge, die nicht von Vegetation bedeckt sind, erodieren schneller. Ebenen ohne Pflanzen entwickeln sich zu Wüsten. Und ohne Leben wäre auch die Zusammensetzung unserer Atmosphäre massiv anders, was zu einem geringeren Schutz vor Meteoriteneinschlägen oder einer massiven globalen Erwärmung wie auf der Venus führen könnte, wodurch schließlich ganze Ozeane verdampfen würden.

„Die Erde wird vom Leben geformt. Sie ist eine vom Leben für sich selbst gebaute Heimat“, schlussfolgert der Anlagenbetreiber.

Selektionsfehler und hyperbolische Fixpunkte

Wenn man anfängt sich zu fragen, warum es Leben auf der Erde gibt und nicht nur eine große Wüste, könnte das anthropische Prinzip ein guter Startpunkt sein, auf das man relativ schnell stößt, wenn man die Bücher von Stephen Hawking ließt.

Es sagt uns, zusammengefasst, dass, wenn wir Leben auf der Erde beobachten, unser Universum in erster Linie in der Lage sein muss, Leben zu ermöglichen. Wenn wir uns ein Multiversum vorstellen, dann wird letztendlich nur ein Universum mit physikalischen Parametern, die die Existenz von Leben erlauben, am Ende auch Lebensformen beherbergen. Das ist eine Art Selektionsverzerrung: Wenn die Parameter nicht so fein abgestimmt wären, wie sie sind, gäbe es einfach keine Lebewesen, die über ihre Existenz nachgrübeln könnten (schwaches Anthropisches Prinzip).

Aus der Perspektive der theoretischen Physik und der Theorie dynamischer Systeme klingt das so, als ob die Gesetze und Parameter, die unser Universum regieren, auf einen hyperbolischen Fixpunkt hin eingestellt wurden. Wie ein Pendel, das in seiner obersten Position feststeckt. Wären die Parameter etwas anders, wenn sich also das Pendel in unserer Analogie also auch nur geringfügig von oben wegbewegen würde, wäre der resultierende Zustand ein völlig anderer: Es würde sich von dem schmalen Fixpunkt, der das Leben beherbergt, wegbewegen und in Richtung einer Vielzahl toter Universen gleiten.

Ein totes Universum wäre wie der Grundzustand, die global stabile, aber auch eine triviale Lösung. Demnach würde sich ein Universum mit Leben in einer Art angeregtem Nicht-Gleichgewichtszustand befinden, was zu einer nicht-trivialen Fixpunktlösung führen würde. Und die Wahrscheinlichkeit, einen solchen lebendigen, hyperbolischen Fixpunkt geradewegs zu treffen, wäre fast null. Folgt man also dem (schwachen) anthropischen Prinzip, muss es eine Vielzahl toter Universen geben (irgendwo außerhalb unseres Universums, niemand weiß, wo genau), und rein zufällig ist unser Universum auf einen Fixpunkt des Lebens gestoßen.

Stabilitätsdiagramm linearer dynamischer Systeme. Erstellt von Freesodas auf Wikipedia

Leben ist vielleicht attraktiv

Die Chancen werden besser, wenn man die Auswirkungen des Lebens selbst in Betracht zieht. Wie die Simulation der Entwicklung der Erde in Cixin Liu’s Roman zeigte, wäre die Erde ohne Leben komplett anders und weit weniger gastfreundlich. Ganz im Gegenteil, das Leben stützt sich selbst, indem es nachhaltige, zirkuläre, kybernetische Systeme bildet, was die Chance, Lebensformen zu finden, dramatisch erhöht, sobald die Bedingungen einem lebensfreundlichem Zustand hinreichend nahe kommen.

Die Chancen, einen solchen lebensfreundlichen Zustand zu erreichen, sind nach wie vor ziemlich gering. Aber anstatt einen solchen Zustand auf Anhieb zu erreichen, müsste man jetzt „nur“ noch nahe genug an einen Zustand herankommen, der zumindest primitive Lebensformen ermöglicht. Und von dort aus baut sich das Leben selbst ein Zuhause.

Das dürfte unsere Chancen, in einem lebendigen Universum zu landen, deutlich erhöhen. Während komplexe Lebensformen, wie z.B. der Mensch, zum Überleben sehr spezifische Umweltbedingungen benötigen (sofern sie nicht technologisch entwickelt sind), könnten sich primitive Lebensformen selbst unter extremen Bedingungen wie auf dem Mars oder dem Jupitermond Europa entwickeln.

Um zum Thema dynamische Systeme zurückzukommen, klingt dies viel mehr nach einem attraktiven Fixpunkt: Es könnte sein, dass die Abstimmung der Parameter unseres Universums auf eine lebendige Lösung – zumindest lokal – eher wie ein stabiler Brennpunkt als ein hyperbolischer Sattelpunkt aussehen könnte. Denken wir mal an ein invertiertes Doppelmulden-Potential, das die Energie eines dynamischen Systems beschreiben könnte / in unserer Analogie ein sehr einfaches Universum mit nur einem Parameter beschreibt.

Ein Beispiel ist unten dargestellt: Es gibt einen stabilen Fixpunkt des Lebens, gekennzeichnet durch ein grünes „O“, umgeben von repulsiven, hyperbolischen Fixpunkten, gekennzeichnet durch ein rotes „X“. Wenn wir den Parameter links vom linken „X“ oder rechts vom rechten „X“ einstellen, landen wir bei diesem einfachen Beispiel in einem toten Universum. Kommen wir jedoch zwischen die beiden „X“, so befindet sich der energetisch günstigste Zustand beim grünen „O“, und so könnte unser Universum zur lebendigen Lösung bei „O“ konvergieren.

Und da es leichter ist, eine Bandbreite möglicher Parameter, wie z.B. den Bereich zwischen den beiden „X“, als gleich den Punkt „O“ zu treffen, wenn man die Parameter unseres Universums abstimmt, ist die Existenz von Leben vielleicht nicht so unwahrscheinlich, wie wir denken.

Tatsächlich haben die oft zitierten Experimente von Miller und Urey in den 1950er Jahren gezeigt, dass, sobald man eine Suppe anorganischer, basischer Verbindungen Strahlung aussetzt, sich nach einiger Zeit essentielle Aminosäuren bilden, die bekanntlich die Grundlage für Lebensformen auf Kohlenstoffbasis sind. Natürlich stellen organische Moleküle noch keinen lebenden Organismus dar, aber es ist ein Ausgangspunkt, und so könnte eine echte Chance bestehen, zu (komplexeren) Lebensformen zu gelangen.

Das bedeutet, dass selbst wenn die Bedingungen auf der Erde nicht fein abgestimmt wären, oder, auf einer eher intergalaktischen Ebene, wenn die Parameter und Gesetze unseres Universums nicht perfekt abgestimmt wären, es einen gewissen Spielraum an Zuständen gäbe, die immer noch eine lebendige Lösung ermöglichen würden. Man müsste „nur“ genügend nahe an einen dem Experiment von Miller und Urey ähnlichen Zustand herankommen, in dem ein Planet die Bildung essentieller Aminosäuren ermöglicht, was die Bildung primitiver Lebensformen ermöglicht, die die Umweltbedingungen dieses Planeten verändern und schließlich komplexere Lebensformen ermöglichen würde.

Leben könnte wie ein attraktiver Fixpunkt sein, und verschiedene Zustände eines Planeten könnten zu einer lebendigen Lösung konvergieren, solange ihre Anfangsbedingungen nicht zu sehr von diesen Fixpunkten abweichen, die Leben repräsentieren. Doch diese lebendigen Lösungen wären nicht einzigartig, so wie Dinosaurier und Menschen zwei verschiedene lebendige Fixpunktlösungen darstellen, die auf Kohlenstoffverbindungen basieren, und es könnte sogar Lebensformen geben, die nicht auf Kohlenstoff basieren.

Dies sollte uns einerseits unsere Verantwortung bewusst machen, wie wir unseren Planeten Erde für die Zukunft gestalten müssen – um ihn gastfreundlich zu erhalten. Andererseits ist es vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich, wie man meinen könnte, dass es auch auf anderen Planeten Leben gibt. Im Gegensatz zu den Menschen in den Büchern von Cixin Liu sind wir einfach noch keinem außerirdischen Leben begegnet (zumindest soweit ich weiß).

Das Gespräch geht zu Ende, und Yang Dong verlässt das Rechenzentrum, alleine gelassen mit der letzten, ultimativen Frage: „Wenn Leben den Planeten Erde so sehr geprägt hat, wie hätte sich dann das Universum entwickelt, wenn es kein Leben gäbe?“ oder umgekehrt: „Welchen Einfluss wird Leben auf das Universum als Ganzes haben?

bookmark_borderDrei Jahre #StuFoExpo an der TU Dresden

Kanpp zwei Wochen nach Beginn meiner Promotion an der TU Dresden besuchte ich meine erste Konferenz als Doktorand. Es war allerdings keine Fachkonferenz.

Die Zweite Konferenz für studentische Forschung, die im Herbst 2017 stattfand, war eine interdisziplinäre Konferenz, organisiert vom bologna.lab der HumboldtUniversität zu Berlin (HU). Dabei trafen sich 30+ Studenten aus ganz Deutschland und 45+ verschiedenen Disziplinen zu einer zweitägigen Konferenz mit Vorträgen und Postern aus den unterschiedlichsten Forschungsbereichen.

Es war spannend und herausfordernd zugleich, die Forschung meiner Masterarbeit einem so breiten Publikum zu präsentieren und umgekehrt so vielen verschiedenen Vorträge zu hören. Ich war begeistert. Gleich nach der Konferenz wandte ich mich an einen der Organisatoren, um festzustellen, dass die Konferenz bereits eine etablierte Veranstaltung war, in dem Sinne, dass bereits feststand, welche Universitäten sie als nächstes ausrichten würden. Und dass es in den nächsten Jahren keine echte Chance geben würde, diese Konferenz nach Dresden zu holen.

Was ich aber aus diesem Gespräch mitnahm war die Inspiration, selbst eine Veranstaltung zu starten. Schließlich erinnerte ich mich an die Postgraduate Research Showcase, welche von der naturwissenschaftlichen Fakultät der University of New South Wales (UNSW) organisiert wurde und die ich 2016 als während meinem Auslandsaufenthalt besuchte. Wie wäre es also, eine „Student Research Expo“ an der TU Dresden zu organisieren? Mit den unterschiedlichsten Forschungsprojekten, an der jede Fakultät und jeder forschende Studi teilnehmen kann – egal, ob im Rahmen einer Hausarbeit oder einer Doktorarbeit.

Nach einer Diskussion mit meinen Kollegen zurück in Dresden schrieb ich eine E-Mail an den damaligen Rektor der TU Dresden, Hans-Müller Steinhagen, der den Vorschlag an den damaligen Prorektor Forschung, Gerhard Rödel, weiterleitete. Ein paar Wochen saß ich in einem Meeting dazu, wie man die „Student Research Expo“ tatsächlich in die Praxis umsetzen könnte.

Nach einem halben Jahr Vorbereitung wurde die #StuFoExpo am 4. Juli 2018 Realität

Das nächste halbe Jahr schrieb ich tonnenweise E-Mails, füllte Papierkram aus, um einen Vortragssaal für die Veranstaltung zu sichern, organisierte Sponsoring von BASF Schwarzheide und Southwall Europe und – last but not least – bestellte ich Catering. Der Plan sah wie folgt aus: Jeder Studi würde im Vorfeld einen Posterbeitrag vorbereiten und bei der Veranstaltung 90 Sekunden Zeit bekommen, um sein/ihr Forschungsprojekt dem Publikum vorzustellen. Danach würde es eine Postersession geben, um über die Forschung zu diskutieren und sich zu vernetzen, und am Ende würde eine Jury die besten Beiträge bewerten und es gab zusätzlich auch einen Publikumspreis.

Mit der Zeit stellte ich ein Team aus Kommilitonen und Freunden zusammen, die bei den Vorbereitungen und der eigentlichen Veranstaltung halfen. Das Team Initiation & Interaction unter der Leitung von Christian Bruchatz und Robert Fischer organisierte Workshops zum Thema „How to design a poster and pitch your project“. Und etwa zwei Monate vor der Expo startet unser Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen und viele Leute halfen uns, die Veranstaltung auf dem ganzen Campus bekannt zu machen. Als die Einreichung schloss, hatten wir mehr als 50 Beiträge erhalten, das war einfach unglaublich!

Eröffnung der #StuFoExpo 2018

Am 4. Juli 2018 war es endlich soweit: Die erste „Ausstellung für studentische Forschung“ (#StuFoExpo) startete.

Mit rund hundert Besuchern an einem Nachmittag merkten wir schnell, dass die Organisation von größeren Veranstaltungen eine Kunst für sich ist: Unsere Keynote lief deutlich länger, als geplant, was mir gerade noch genug Zeit gab, den Hausmeister zu rufen, um unseren Catering-Service mit Strom zu versorgen. Zur Pitch-Session kamen nur etwa 35 Studenten, die anderen waren mit Vorlesungen oder Kursen beschäftigt. Das erste Mal war etwas experimentell.

Die Postersession lief schließlich reibungslos, aber das Einsammeln aller Jury-Bewertungen und der Publikumsstimmen dauerte viel zu lange, und so waren für die Preisverleihung am Ende effektiv nur noch die studentischen Forscher:innen übrig.

Trotz aller organisatorischen Hürden löste diese erste Studentenforscher-Expo etwas aus. All die positiven Rückmeldungen zeigten uns, dass es möglich ist, mehr aus studentischer Forschung zu machen als Abschlussarbeiten einzureichen, die dann in der Schublade verstauben.

Danke an alle meine DDoc-Kollegen (DDoc’s (Dresden Doctoral Council) für ihre Unterstützung bei der Organisation der ersten #StuFoExpo 2018. Insbesondere Paula Penckert (links) und Anne Geißler (rechts).

Während für die TU Dresden Ende 2018 / Anfang 2019 die zweite Exzellenzrunde anstand und alle mit den Vorbereitungen beschäftigt waren, erhielten wir

a) erhebliche finanzielle Unterstützung von der Studentenstiftung Dresden (vielen, vielen Dank an Jens Bemme!), die uns half, einen studentischen Mitarbeiter, Paul Petzold, für die Organisation der zweiten #StuFoExpo anzustellen

b) und wir trugen sogar zur Bewerbung der TU Dresden im Rahmen der Exzellenzinitiative bei! Mit Hilfe von Jörg Schmidt und dem Zentrum für interdisziplinäres Lernen und Lehren (ZiLL) bewarben wir uns mit dem Konzept „FOSTER – Funds fOr STudEnt Research“ und deshalb bin ich auch besonders stolz und glücklich, dass die TU Dresden es in eine weitere Runde der Exzellenzförderung geschafft hat.

Obwohl ich im Laufe meiner Promotion an das Karlsruher Institut für Technologie wechselte, organisierte ich zusammen mit unserer studentischen Hilfskraft Paul Petzold auch die zweite Student Research Expo. Sie fand im November 2019 im Festsaal der TU Dresden statt: gründlich geplant, viel besser organisiert, in etwas kleinerem Rahmen, aber alles in allem eine tolle Veranstaltung. Und mit einer tatsächlichen Posterausstellung, die mehrere Wochen lang auf dem gesamten Campus zu sehen war. Die finanzielle Unterstützung durch die Studentenstiftung Dresden half uns sehr, die Zeit bis zur Bereitstellung der FOSTER-Mittel Ende 2019 zu überbrücken.

Die Dritte Student Research Expo fand letzte Woche, am 1. September 2020, als Online-Event statt: mit einem wunderbaren Keynote-Vortrag von Ronny Timmreck über seine Arbeit mit leXolar und Senorics und 20 studentischen Pitches, die als Video voraufgezeichnet wurden und die hier online stehen.

Es ist einfach schön zu sehen, wie sich diese Veranstaltung in den letzten Jahren entwickelt hat und freue mich darauf, dass die studentische Forschungsinitiative ihr volles Potenzial an der TU Dresden und darüber hinaus entfalten kann – indem sie Studierende, Forscher und die Industrie miteinander verbindet und Studis dazu inspiriert, schon früh zu forschen, vielleicht sogar vor ihrer Bachelorarbeit.

Wenn Du Ideen für die nächste Expo hast, Erfahrungen austauschen oder uns unterstützen möchtest, schreiben uns gerne eine E-Mail an:

stufoexpo@mailbox.tu-dresden.de

bookmark_borderProtonmail

Oft hört man das Mantra – gerade von Verfechtern des Datenschutzes und besonders in Bezug auf Facebook – dass wenn man nicht für ein Produkt bezahlt, man selbst das Produkt IST. Und da es vielleicht nicht die beste Idee ist, einfach die Mailadresse des eigenen Hosting-Providers zu nehmen, ist es bestimmt eine gute Idee, sich nach einem geeigneten externen E-Mail-Provider umzusehen. Und davon gibt es so einige.

Im Sommer 2019 stand ich auch vor genau dieser Frage und habe mich schließlich für ProtonMail entschieden, ein Dienst, der 2013 vom ehemaligen CERN-Physiker Andy Yen und anderen gegründet wurde. Nach einer erfolgreichen Indiegogo-Kampagne, hat sich das Projekt zu einem vollwertigen Unternehmen entwickelt, hat heute mehr als 10 Millionen Nutzer und setzt Branchenstandards in Sachen E-Mail-Sicherheit.

Image for post

Folgende drei Punkte haben mich an ProtonMail am meisten begeistert:

a) Das Branding

Wie cool wäre es, eine PROTON-E-Mail-Adresse zu haben? Vor allem, da ich selbst Physiker bin?!

Außerdem bieten sie die Kurzdomain yourname@pm.me* an, also wie nice ist das denn?

(*PM = private Nachricht, häufig in sozialen Netzwerken verwendet)

b) Sichere E-Mails

Alle E-Mails, die zwischen ProtonMail-Benutzern gesendet werden, sind standardmäßig verschlüsselt. Man muss also nicht mit öffentlichen Schlüsseln und zusätzlichen Plugins für die Verschlüsselung herumhantieren, ProtonMail kümmert sich automatisch darum. Darüber hinaus kann man selbstzerstörende Nachrichten erstellen und passwortgeschützte E-Mails auch an Nicht-ProtonMail-Nutzer senden.

Wahrscheinlich wird man nicht die Art von Schutz erhalten, die Spione und Whistleblower am Leben hält, aber auf jeden Fall erhält man anständigen Schutz vor neugierigen Blicken zu recht geringen Kosten und Aufwand.

c) Der Unsubscribe-Button

Ja, für jede E-Mail, die von einer Mailingliste stammt, gibt es einen Abmelde-Button! Kein lästiges Suchen nach dem winzigen Abmelde-Link in blassem Grau am Ende eines Newsletters und kein Klicken durch Feedback-Formulare mehr. Es ist einfach genial, wie sie auf so viele kleine, aber super-nützliche Details geachtet haben.

Image for post

Wie man oben sehen kann, ist außerdem das Laden der Inhalte einer E-Mail standardmäßig deaktiviert – eine weitere Funktion, die dem Posteingang mehr Sicherheit verleiht: Jeder in einer E-Mail potentiell enthaltene Code wird nur mit eigener Zustimmung ausgeführt.

Caveat

All dies kommt mit einem Vorbehalt: Bis Mitte 2016 blockierte Google ProtonMail in ihren Suchergebnissen für das Thema „sichere E-Mail“ und man kann immer noch einige Probleme bei der Anmeldung auf einigen Websites haben. Zum Beispiel investing.com hat meine ProtonMail abgelehnt. Aber abgesehen davon, habe ich keine ernsthaften Einschränkungen erlebt. ProtonMail funktioniert für mich bisher ausgezeichnet!

Die Proton-Mission

Es ist auch erstaunlich zu sehen, wie ProtonMail mit seiner Mission fortfährt, sichere Internet-Tools zu bauen, die die Privatsphäre respektieren. Im Jahr 2017 stellten sie Proton VPN vor, einen vollständig quelloffenen und transparenten VPN Dienst. Und im Dezember 2019 kündigten sie ein weiteres Projekt an, auf das ich ziemlich gespannt bin: den Proton-Kalender, der sich derzeit in beta befindet. Wenn man ein Proton Mail- oder Proton VPN-Account hat, kann man die Beta-Version testen unter https://beta.protonmail.com/login.

Image for post

Das war’s!

Welchen E-Mail-Anbieter nutzt Du? Schreib mir gerne eine Nachricht an

mail@benjaminwolba.com

(man kann auch externe Domains mit ProtonMail managen).

Disclaimer: Ich bin zahlender Kunde von ProtonMail, habe aber keine weiteren Geschäftsbeziehungen zu Proton Technologies AG habe.

Umfassendere Reviews

https://www.techspot.com/news/82776-protonmail-review-secure-email-really-secure.html

https://mashable.com/2018/03/21/what-is-protonmail/

Veröffentlicht in Tools

bookmark_borderEin bisschen wie Frühstudium

Das Frühstudium klingt manchmal zu gut, um wahr zu sein. Es gibt also Schülerinnen und Schüler, die von sich aus etwas lernen wollen, die in ihrer Freizeit Vorlesungen an einer Universität besuchen und freiwillig sogar Klausuren mitschreiben. Wo gibt es denn so etwas?! Das Bild, das die meisten Lehrer in Deutschland montagmorgens von ihrer Schulklasse haben, sieht definitiv anders aus.

Wer hätte gedacht, dass es Schüler neben dem ganzen Arbeitsaufwand für die Schule schaffen können, noch den Besuch einer Vorlesung selbstständig zu koordinieren? Wer hätte gedacht, dass sie es schaffen können, einer Vorlesung zu folgen, wobei ihnen doch noch so viele Grundlagen aus dem Unterricht der Oberstufe fehlen? Und wer hätte gedacht, dass manche Schüler Universitätsklausuren besser absolvieren als normale Studenten?

Kaum einer hätte es für möglich gehalten, bevor es das Frühstudium gab. Und doch überraschen Frühstudenten uns immer wieder damit, wie sie das Frühstudium nutzen, um ihren Interessen nachzugehen, und dabei weiter kommen, als wir je für möglich gehalten haben. Das Frühstudium zeigt, wie viel Potenzial in Schülern steckt, was sich bei entsprechender Förderung entfalten kann.

Wie Frühstudenten lernen

Wie wäre es nun, wenn wir Bildung in der Schule etwas mehr wie im Frühstudium gestalten würden? Etwas freier, etwas individueller, ein bisschen diverser. Wie wäre es, wenn mehr Schülerinnen und Schüler ähnliche Lernbedingungen hätten, wie sie aktuell vor allem Frühstudenten vorbehalten sind?
Ein großer Teil der Begeisterung für ein Frühstudium kommt genau daher, dass man sich Vorlesungen frei aussuchen kann. Endlich das lernen zu können, was man schon immer lernen wollte. Wie wäre es also, wenn es auch in der Schule mehr Freiräume gäbe, selbst zu bestimmen, was man lernen möchte, was einen interessiert und begeistert?

Viele Lehrer sehen sich (zurecht!) damit überfordert, Schüler individuell zu fördern; eine Herkulesaufgabe, wenn man von festen Klassen, abgegrenzten Jahrgängen und starren Lehrplänen ausgeht. Wie auch soll man Unterricht individuell für jeden einzelnen Schüler oder Schülerin gestalten, wenn Klassen teils über 20 Schülern haben?! Wie wäre es stattdessen, Angebote zum Selbstlernen schaffen, angefangen bei einer gut ausgestatteten Schulbibliothek bis hin zu Lerngruppen, Freiarbeitsphasen oder gar Onlinekursen. Und die Schüler dann selbst aus diesen Angeboten auswählen lassen?

Frühstudenten bestehen Prüfungen teils besser als normale Studenten, nicht nur, weil sie aus eigenem Interesse Vorlesungen besuchen, sondern auch, weil sie sich selbst und freiwillig dazu entscheiden, die Prüfung mitzuschreiben, und weil sie wissen, dass sie die Prüfung jederzeit nochmals schreiben können, wenn sie später „richtig“ studieren. Dadurch entfällt eine Menge Druck und Prüfungsangst, und sie können sich mehr auf den eigentlichen Lernstoff konzentrieren und was daran interessant ist. Wie sinnvoll ist da das Konzept der „endgültig nicht bestandenen Prüfung“ an deutschen Universitäten? Geht es uns um lebenslanges Lernen und darum, Menschen in ihrer Bildung voranzubringen? Oder geht es uns darum, Korrekturaufwand für eine zusätzliche Klausur und Kosten zu sparen?

Wie sinnvoll ist es überhaupt, dass Prüfungen einem Thema eine Note zuweisen, unveränderlich, auf immer und ewig feststehend, ohne Raum zur Verbesserung und zum Dazulernen? Wie wollen wir damit Menschen motivieren, sich nochmals mit einem Thema zu beschäftigen und die eigenen Leistungen zu steigern, wenn es nur eine Chance gibt?

Nicht zuletzt profitieren Frühstudenten immens durch den Kontakt zu älteren Mitstudenten, können ihnen Fragen stellen, erfahren von deren Lebenswelt und entwickeln sich dadurch auch persönlich weiter. Sie kommen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten in Kontakt: Manche Mitstudenten haben direkt nach der Schule mit dem Studium begonnen und sind nur wenige Jahre älter. Andere haben schon eine Ausbildung absolviert, arbeiten neben dem Studium oder haben eine Familie gegründet. Und von allen können sie unterschiedliche Dinge lernen und Erfahrungen mitnehmen. Wie sinnvoll ist da eine strikte Alterstrennung in Schulklassen, die vor allem Gleichaltrige umfassen? Lässt es sich nicht von und mit Menschen verschiedenen Alters etwas lernen? Können sich Jüngere nicht weiter entwickeln durch den Kontakt zu Älteren, als wenn sie sich nur mit ihrer Altersgruppe vergleichen? Und können Ältere nicht auch noch etwas von Jüngeren lernen, zum Beispiel über Trends, die in ihrer „alten“ Altersgruppe noch nicht angekommen sind? Warum bildet man Lerngruppen nicht nach Interesse, unabhängig von Alter und Schulklasse?

Lernen wie Frühstudenten

Das Frühstudium schafft andere Strukturen und Freiheiten, als wir aus der Schule oder selbst aus einem Studium gewohnt sind. Man kann sich Vorlesungen völlig frei aussuchen, kann Prüfungen prinzipiell beliebig oft mitschreiben und kommt mit Studenten ganz unterschiedlichen Alters in Kontakt, die alle ein gewisses Grundinteresse an ihrem Studiengang verbindet. Natürlich müssen Frühstudenten erst lernen, mit diesen Freiheiten umzugehen. Aber dann nimmt das Frühstudium auch enorm positiven Einfluss, hilft nicht nur bei der Studienorientierung, sondern motiviert Schülerinnen und Schüler auch, von sich aus Neues zu lernen, spornt sie an, ihr Bestes zu geben, und hilft ihnen, sich selbst weiterzuentwickeln.

Aktuell erreicht das Frühstudium – wie viele Maßnahmen der Begabtenförderung – vor allem Kinder aus Akademikerfamilien, plakativ gesagt, die Bildungselite des Landes. Wie wäre es, wenn noch mehr Schülerinnen und Schüler von den Vorteilen des Frühstudiums profitieren könnten? Und damit meine ich nicht nur, dass mehr am Frühstudium teilnehmen könnten, sondern vor allem auch, dass wir Bildungsstrukturen umgestalten könnten, sodass mehr Schülerinnen und Schüler ihr Potenzial entfalten und das lernen können, was sie schon immer lernen wollten. Wir konzentrieren uns bisher vor allem darauf, engagierte Schüler als begabt zu labeln (Begabungserkennung) und diese Auserwählten gezielt zu fördern (Begabtenförderung). Bravo! Wie wäre es, als nächsten Schritt ein Umfeld zu schaffen, in dem Schüler ihre Begabungen entfalten können? Wir sollten nicht abwarten, bis Hochbegabte „gefunden“ werden oder zufällig auftauchen, sondern die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich Talente entwickeln können.

Das Frühstudium ist ein erster Schritt in Richtung eines freiheitlicheren Bildungssystems, das lebenslanges Lernen als einen kontinuierlichen Prozess sieht, der niemals durch Klausuren und Abschlüsse zu einem Ende kommt, sondern im Gegenteil durch stetes echtes Feedback angespornt wird. Es zeigt, wie viel Potenzial in Schülern steckt, und lässt erahnen, dass noch viel mehr Potenzial in unzähligen anderen Schülern wartet, die nicht am Frühstudium teilnehmen können.

Wie wäre es, wenn wir auch diesem Potenzial eine Chance geben? Wie wäre es, wenn Schule ein bisschen mehr wie Frühstudium wäre?

bookmark_borderVom Klassenzimmer in den Hörsaal

Im Jahr 1999 startete eines der interessantesten Experimente der modernen Begabtenförderung in Deutschland: Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe sollten die Möglichkeit bekommen, Anfängervorlesungen im Fach Mathematik zu hören, noch bevor sie die Grundlagen dazu im Schulunterricht behandelt hatten.

Sie würden Vorlesungen während der Schulzeit besuchen zusammen mit anderen Studenten, die mindestens drei bis fünf Jahre älter sein würden. Sie würden als Frühstudenten immatrikuliert sein und damit auch die Chance erhalten, an echten Universitätsklausuren teilzunehmen. Und sie würden sich diese bei Bestehen für ihr späteres Studium anrechnen lassen können. Die Idee des Frühstudiums war geboren: Studieren vor dem Abitur.

Eine Erfolgsgeschichte

Was als Experiment an einzelnen Universitäten begann, etablierte sich schon nach kurzer Zeit als festes Programm im Lehrveranstaltungskatalog und inspirierte durch seinen Erfolg Universitäten in ganz Deutschland, ebenfalls ein Frühstudium anzubieten. Mittlerweile nehmen jedes Semester etwa 2 000 Schülerinnen und Schüler daran teil – von der 7. bis zur 13. Klasse an über 60 verschiedenen Universitäten. Auch das Fächerangebot hat sich von den MINT-Fächern auf die Sprach- und Geisteswissenschaften deutlich erweitert, als immer mehr Bereiche angefangen haben, ihre Vorlesungen für Frühstudenten zu öffnen.

So lernen Frühstudenten schon früh Alltag und Leben an einer Universität kennen. Sie können in verschiedene Studiengänge hineinschnuppern, gezielt ihren Interessen nachgehen, sich mit anderen Studenten austauschen, Erfahrung sammeln und sich so auf ein späteres Studium vorbereiten. Außerdem können sie freiwillig an den Prüfungen am Semesterende teilnehmen und sich diese – bei Bestehen – für ein späteres Studium anrechnen lassen.

Auch für die Schulen und Universitäten bietet das Frühstudium eine ganze Reihe an Vorteilen: Die Frühstudenten können ihr erworbenes Wissen mit in den Unterricht einbringen und Mitschülern helfen – Lehrer werden so beim Thema Begabtenförderung entlastet. Das Frühstudium kann Schüler auch bereits früh an eine Universität heranführen, sie zu einem späteren Studium motivieren und als Studienorientierung die Abbrecherquote senken.

Physik studieren mit 15 Jahren

Geradezu ehrfürchtig hatte ich zugehört, wenn andere Mitschüler von diesen legendären Frühstudenten erzählt hatten, die es offenbar fertigbrachten, neben der ganzen Schularbeit zudem an einer Universität richtige Vorlesungen zu besuchen. Ich war davon selbst stets ziemlich beeindruckt gewesen und freute mich ungemein, als mich am Ende der 9. Klasse Lehrer fragten, ob ich nicht Interesse hätte, selbst am Frühstudium teilzunehmen. Da war ich gerade 15 Jahre geworden. In der Folge hatte ich das Privileg, drei Jahre lang, vom Beginn der 10. Klasse 2012 bis zum Abitur 2015 am Frühstudium der TU Dresden im Fach Physik teilzunehmen.

Alles begann mit dem Besuch der Vorlesung „Experimentalphysik I“ im ersten Semester, wobei ich das Glück hatte, den Dozenten Professor Lukas Eng kennenzulernen, welcher zu meinem Mentor auf universitärer Seite wurde. Nachdem ich die Klausur zu seiner Vorlesung „Experimentalphysik I“ bestanden hatte, nahm ich auch in den nachfolgenden Semestern am Frühstudium teil und wurde jedes Semester für genau eine Lehrveranstaltung von der Schule freigestellt. Ich merkte jedoch relativ schnell, dass die anderen Studenten noch viele andere interessante Vorlesungen hatten, und begann daher, aus eigenem Interesse weitere Vorlesungen mitzuverfolgen, mir den Lernstoff selbst anzueignen, Übungsaufgaben selbst zu rechnen und schließlich die Klausuren mitzuschreiben – ohne jemals die dazugehörigen Vorlesungen, Übungsgruppen oder Tutorien besucht zu haben.

So kam es, dass ich im Frühjahr 2015 mein Abitur ablegte, im Laufe des Sommers meine Bachelorarbeit am Institut für Angewandte Physik bei Professor Eng schrieb, sie im Herbst 2015 verteidigte und mit dem Masterstudium in Physik begann.

Dabei war ich definitiv nicht mit dem Ziel in mein Frühstudium gestartet, den Bachelor in Physik neben der Schule zu absolvieren. Es hatte sich vielmehr mit der Zeit ergeben – durch mein Interesse an Physik und durch die großartige Unterstützung des Humboldt-Gymnasiums Radeberg, der TU Dresden, von meinen Mitschülern und anderen Studenten und nicht zuletzt von meinen Freunden und meiner Familie.

Das Frühstudium ist vor allem ein großartiges Programm, um das Leben an einer Universität kennenzulernen und einen Einblick in verschiedene Studiengänge zu bekommen. Natürlich bietet es auch die Möglichkeit, sein späteres Studium zu beschleunigen, aber in erster Linie ist es eine Chance, bereits während der Schulzeit einen Einblick in die Welt des Wissens jenseits des Schulunterrichts zu erhalten.

Und deshalb wünsche ich mir, dass mehr Schülerinnen und Schüler diese Chance nutzen können und mehr Lehrer und Schulen sie bei einem Frühstudium unterstützen – ohne Druck, eine Prüfung mitschreiben zu müssen; ohne Angst, sich den Abiturdurchschnitt dadurch zu ruinieren; einfach nur aus Interesse. Genau deshalb habe ich ein Buch über das Frühstudium geschrieben, über das Programm allgemein und meine persönlichen Erfahrungen.

Auf dem magentafarbenen Sofa

Bei meinen Recherchen für das Buch schrieb ich im September 2017 die Deutsche Telekom Stiftung an. Sie hatte das Frühstudium in Deutschland zehn Jahre lang bis 2014 unterstützt, 2007 eine große Studie dazu in Auftrag gegeben und 2012 selbst noch eine Befragung durchgeführt. Wenn also jemand einen Überblick über das Frühstudium haben sollte und vor allem darüber, was in den fünf Jahren seit der letzten Befragung passiert war, dann die Deutsche Telekom Stiftung.

Meine Anfrage stieß auf positive Resonanz, und zwei Monate später sitze ich im Hauptgebäude der Deutsche Telekom Stiftung in Bonn auf einem magentafarbenen Sofa und erzähle von meinem Buchprojekt. Tatsächlich hatte sich die Deutsche Telekom Stiftung 2014 nach dem Ende ihres finanziellen Engagements weitgehend aus dem Projekt zurückgezogen. Aber natürlich wäre es interessant zu wissen, wie sich das Frühstudium seitdem entwickelt hat.

Im Januar 2018 bekomme ich schließlich grünes Licht: Die Deutsche Telekom Stiftung hatte sich entschlossen, eine dritte groß angelegte Befragung zum Frühstudium im Sommer 2018 durchzuführen und damit auch mein Buchprojekt zu unterstützen. Das war einfach großartig! Während die Deutsche Telekom Stiftung im Sommer 2018 die Befragung durchführte, interviewte ich mehr als 20 andere Frühstudenten zu ihren Erfahrungen. Dabei heraus kam nicht nur das erste Buch zum Thema Frühstudium, sondern auch ein aktueller Überblick über das Frühstudium in Deutschland. Ich bedanke mich daher ganz herzlich bei der Deutsche Telekom Stiftung für ihre Unterstützung.

Perspektiven für das Frühstudium

Die Befragung zeigte, dass die Bedingungen für ein Frühstudium nie besser waren. Während jedoch die Anzahl an Universitäten, die das Programm anbieten, auch in den letzten Jahren noch zugenommen hat, ist die Gesamtzahl an Frühstudenten bei etwa 2.000 pro Semester stagniert und die durchschnittliche Anzahl pro Universität hat leicht abgenommen. Auch heute noch kennen viele Menschen das Frühstudium nicht. Vor allem Lehrer, Mitschüler und Eltern sind dabei die wichtigsten Multiplikatoren des Frühstudiums und natürlich sollten auch Schülerinnen und Schüler selbst diese Chance kennen, um es in Erwägung zu ziehen.

Das Frühstudium ist ein schlankes Angebot mit wenig Organisationsaufwand, welches Schülerinnen und Schüler individuell in ihrer Bildung voranbringt. Es müssen keine zusätzlichen Kurse organisiert werden. Es senkt die Abbrecherquote im Erststudium deutlich. Und es fördert Interesse und entwickelt persönlich weiter. Mittlerweile feiert das Frühstudium sein 20-jähriges Jubiläum und indem wir anderen Menschen von diesem Programm erzählen, können wir diese Erfolgsgeschichte fortsetzen und Schülerinnen und Schülern helfen, schon früh das Beste aus ihrer Bildung zu machen.

Infos zum Frühstudium von der Deutsche Telekom Stiftung
www.fruehstudium.com

Erstes Buch zum Frühstudium
www.visual-books.com/fruehstudium