bookmark_borderWarum Vertrauen in gemeinnützige Organisationen wichtig ist

Schon vor einem Jahr veröffentlichte die Zeitung „Die Zeit“ einen kritischen Bericht darüber, wie viele Bäume die gemeinnützige Organisation Plant-for-the-Planet (PftP) tatsächlich pflanzt. Nachdem sie – nach eigenen Angaben – ein Jahr lang recherchiert und die Zahlen genau geprüft hat, werden die Anschuldigungen in dem Artikel von letzter Woche nun konkreter: die Zahlen, die PftP für die gepflanzten Bäume angibt, seien unrealistisch hoch. Auch hätten die Bäume bestimmt keine Überlebenschance von 94 % und überhaupt: auf der Halbinsel Yucatan, wo PftP aktiv ist, stehen doch schon genug Bäume.

Wenig später antwortete Felix Finkbeiner, Gründer und Sprecher des Vorstandes von PftP, auf die Anschuldigungen mit einem Blogartikel. Das Muster ist in beiden Artikeln das Gleiche: erst das Gegenüber diskreditieren, dann beispielhaft Daten zusammentragen, um die eigene Position zu stärken, und schließlich die eigene Community ansprechen. Die Artikel sind klar polarisierend und nicht objektiv geschrieben. Die Zeit lässt kein gutes Wort an PftP, dabei kann diese Organisation doch nicht nur alles schlechtmachen. PftP verteidigt sich, was aber deutlich zu kurz kommt, ist eine Stellungnahme wie die Zahlen von unabhängiger Seite in Zukunft geprüft werden. Das ist auch eine Forderung des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Witten/Herdecke.

Mir geht es hier gar nicht darum die Arbeit von Plant-for-the-Planet zu bewerten. Bestimmt pflanzt PftP auch Bäume in Mexiko (ich war leider noch nicht dort), gleichzeitig stellen sie mit einer App die Infrastruktur bereit, um Spenden für hunderte Baumpflanzprojekte weltweit einzusammeln und alleine schon, dass sie Aufmerksamkeit auf die Klimakrise lenken, ist lobenswert. Aber es ist wichtig, dass sie nicht nur Maßnahmen umsetzen, sondern dies auch so effektiv und transparent wie möglich machen und unabhängig prüfen lassen, um Vertrauen aufzubauen und maximalen Impact haben zu können.

Anderes Beispiel: Bio-Lebensmittel

Das Bio-Segment ist eines der wenigen Segmente im Supermarkt, das aktuell wächst, und zwar konstant. Supermärkte haben erkannt, dass Kunden bereit sind für Bio-Lebensmittel mehr zu bezahlen. Vielleicht weil sie gesünder sind, oder fairer produziert, oder etwas Gutes für die Umwelt tun, oder was auch immer man sich für einen Effekt davon erhofft.

Wenn Supermärkte aber Bio-Lebensmittel bewusst teurer anbieten, weil sich damit zusätzliches Geld verdienen lässt, dann ist das zwar aus wirtschaftlicher Sicht komplett nachvollziehbar, aber auch hier wird Vertrauen gebrochen. Und es führt bei den Kunden zu einer Einstellung à la „ist mir doch egal was ich kaufe, die wollen doch sowieso nur Geld verdienen“.

Und das ist ein riesengroßes Problem, weil die ganze Idee der Marktwirtschaft darauf beruht, dass die Kunden wissen was am besten ist und sie mit ihren Kaufentscheidungen das Angebot steuern. Keiner würde Produkte produzieren, wenn es dafür keine Nachfrage gäbe. Aber damit Kunden die Produkte kaufen, von denen sie denken, dass sie „besser“ sind, braucht es Vertrauen. Und genauso braucht es Vertrauen, damit Menschen an die gemeinnützigen Organisationen spenden, von denen sie denken, dass sie effektiv sind.

Transparenz & Vertrauen

Die Klimakrise ist ein unglaublich hartes Problem und viele Menschen und gemeinnützige Organisationen arbeiten Tag und Nacht daran dieses Problem zu lösen. Um wirklich einen Unterschied zu machen und nicht bloß Geld in Anspruch zu nehmen, was andere gemeinnützige Organisationen hätten verwenden können, sollte eine gemeinnützige Organisation so effektiv wie möglich sein (im Sinne der „Effective Altruism“ Bewegung). Und vor allem auch zeigen, dass sie transparent und vertrauenswürdig ihr Problem löst.

Es ist weitaus effektiver Spenden zu bündeln und in gemeinnützigen Organisationen einzusetzen, um Probleme zu lösen, als wenn jeder Mensch sein / ihr eigenes kleines Projekt verfolgt. Aber dafür muss Vertrauen bestehen, dass die gemeinnützige Organisation das Problem auch wirklich löst.

Das wichtigste Angebot einer gemeinnützigen Organisation ist daher nicht die Lösung des Problems, sondern Vertrauen und Transparenz, dass dieses Problem auch wirklich gelöst wird.

Unsere eigenen Erfahrungen

Vor einem Jahr habe ich einen kleinen Verlag gegründet: Visual Ink Publishing. Wir verlegen Bücher im Bereich Bildung und das komplett Open-Source unter einer Creative Commons Lizenz – sowohl gedruckt als auch digital. Das heißt, dass wir eine besondere Verantwortung haben, nicht nur gesellschaftlichen Impact im Bereich Bildung, Open-Source & freier Zugang zu Wissen zu erreichen, sondern auch für Druck und Lieferung der Bücher. Um Bücher zu drucken werden Bäume gefällt und zu Papier verarbeitet, was viel Energie und Wasser verbraucht. Und schließlich werden die Bücher zu den Leser:innen transportiert, was zusätzliche Emissionen verursacht. Der Verlage haben hier eine wichtige Verantwortung für die gedruckten Bücher.

Als junger Verlag und als ersten Schritt haben wir über das Start-up Review Forest, von welchem wir durch den Startup Insider Newsletter erfahren haben, auch Plant-for-the-Planet unterstützt und damit schon die ersten Bäume gepflanzt. Zumindest auf dem Papier. Aber das kann nur ein allererster Schritt sein, und auch wir werden in Zukunft noch genauer evaluieren, welche Organisationen wirklich effektiv sind und ob man neben dem Pflanzen von Bäumen nicht auch z.B. beim Erhalt von Mooren, Sanierung von Böden oder auch im Bereich Umweltbildung mehr machen und erreichen kann.

Fazit

Die wichtigste Aufgabe einer gemeinnützigen Organisation ist, neben der Lösung ihres selbst gewählten Problems, Vertrauen herzustellen, dass dieses Problem auch wirklich gelöst wird.

Und wer wirklich Impact haben möchte, sollte nicht darauf vertrauen, dass Fair Trade, Bio und Marketing-starke Baumpflanzaktionen den Tag bzw. die Welt retten. Sondern selbst gezielt recherchieren, welche Projekte wirklich effektiv sind, bzw. im Sinne von „Doing Good Better“ am effektivsten, und dann bewusst entscheiden, wie er / sie sein Geld spendet, damit wirklich Impact geschieht.